Aktionen

Jahresthema 2026: Geschichtsmythen

Im Jahr 2026 organisiert hist4dem bundesweit Veranstaltungen und Aktionen zu Geschichtsmythen und ihrer Rolle für Geschichtsrevisionismus und antidemokratische Ideologien. Geplant sind Tagungen, Workshops und Vorträge ebenso wie Online-Formate und Social-Media-Beiträge, die informieren, einordnen und zur kritischen Auseinandersetzung anregen. Doch was genau meinen wir mit Geschichtsmythen?

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Geschichte – verstanden als die Deutung von Vergangenheit, mit der Menschen Wandel und Zukunft ihrer Existenz zu begreifen versuchen – ist voller Mythen über Personen, Ereignisse und Zusammenhänge. In der wissenschaftlichen Geschichtsforschung werden diese Mythen hinterfragt und in ihre historischen Kontexte eingeordnet, um Fakten von Vermutungen, Ereignisse von Erfindungen und Dogmen von Diskursen zu unterscheiden. Mythen finden sich sowohl im Alltag als auch im politischen Diskurs. Derzeit werden sie verstärkt genutzt, um rechte und rechtsextreme Agenden und verschwörungstheoretische Konstruktionen zu stützen. Insbesondere Geschichtsmythen (z. B. „Bombenholocaust“, Germanen als „Urvolk“ der Deutschen) werden dabei als „historische Wahrheit“ dargestellt, die von einer angeblich „linksliberalen Agenda“ nationaler Erinnerungspolitik unterdrückt würden.

Das Netzwerk hist4dem hat sich daher entschieden, das Jahr 2026 unter das Thema „Geschichtsmythen“ zu stellen. Zwar existiert seit der Antike die Gegenüberstellung von Mythos („Erzählung, Rede, Wort“) und Logos („Wort, Sinn, Vernunft“), die zeigt, dass beide eng miteinander verbunden sind. Im Rahmen unseres Jahresthemas verstehen wir unter Mythos jedoch jene Geschichtserzählung, die einer kritischen Überprüfung nicht standhält und gezielt eingesetzt wird, um politische Wirkung zu erzielen. Für unsere Analyse ist dabei nicht allein entscheidend, ob eine Erzählung „wahr“ oder „falsch“ ist. Zentral ist vielmehr, ob sie ihre Quellen offenlegt und wissenschaftlich überprüfbar ist – also, ob sie sich einer kritischen Debatte stellt.

Die politische Funktion von Mythen ist oft schwer zu durchschauen. Sie erklären komplexe Sachverhalte mit vereinfachenden Mitteln, versprechen Orientierung, stiften Sinn und tragen zur Konstruktion „erfundener“ Gemeinschaften bei. Mythen spielten und spielen eine wichtige Rolle bei der Etablierung von Nationalstaaten oder der Rechtfertigung von Revolutionen. Sie sprechen Emotionen an und können mobilisieren. In diesem Sinne sind Mythen zunächst weder „gut“ noch „böse“. Gleichzeitig können sie historische Wirklichkeit verzerren und vorgeben, Unerklärliches oder Bedrohliches verständlich zu machen. Sie können dazu beitragen, Demokratien zu destabilisieren und demokratische Erinnerungskulturen zu delegitimieren. Häufig vereinfachen sie komplexe Zusammenhänge, verstärken Stereotype und Feindbilder und ziehen Grenzen zwischen einem vermeintlich „besseren Wir“ und einem „schlechteren Ihr“.
Im Mittelpunkt stehen für uns vor allem jene Mythen, die in geschichtsrevisionistischer Weise Ausgrenzung und gesellschaftliche Spaltung fördern. Gleichzeitig fragen wir danach, wie mit ihnen umzugehen ist. Neben Mythen, die in der aktuellen bundesrepublikanischen Debatte eine Rolle spielen, berücksichtigen wir auch Beispiele aus anderen Weltregionen, um Vergleiche zu ermöglichen und Perspektiven in einer pluralen Gesellschaft zu erweitern.

 Veranstaltungen zum Jahresthema „Geschichtsmythen“ 

Juden als Feindbild. Antijüdische Mythen vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Donnerstag, 26.2.2026, 19:30 Uhr
Offene Arbeit Erfurt, Allerheiligenstr. 9, 99084 Erfurt
https://offenearbeiterfurt.de/juden-als-feindbild-antijuedische-mythen-vom-mittelalter-bis-zur-gegenwart/

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Die jüdische Bevölkerung hatte im Mittelalter europaweit immer wieder auf der Basis antijüdischer Mythen unter Diffamierung, Verfolgung und Pogromen zu leiden. Diese Stereotype und Mythen gilt es zu benennen und darzustellen, zumal sie nicht verschwunden sind, sondern bis in die Gegenwart hineinwirken. Diesem Thema widmet sich der Vortrag „Juden als Feindbild. Antijüdische Mythen vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ von Sabine Schmolinsky. Im Anschluss wird es die Möglichkeit zu Rückfragen und Diskussion geben.

Kooperationspartner


Der 9. November: Aufbrüche, Abgründe und die Fragilität der Demokratie

Sonntag, 9. November 2025, 16.00-18.15 Uhr

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Am 9. November jähren sich mehrere Schlüsselereignisse der deutschen Geschichte. Er steht für den Aufbruch in die Demokratie, aber auch für deren Fragilität. Anlässlich dieses zentralen Datums lädt hist4dem vier Expert:innen zu einer gemeinsamen Diskussion ein: über den 9. November als Chiffre einer komplexen Geschichte, über die Zerbrechlichkeit demokratischer Ordnungen und darüber, dass Demokratie nur bestehen kann, wenn Bürger:innen sich aktiv für sie engagieren. In Zeiten, in denen die Demokratie unter Druck steht, ist ein fundierter Blick auf ihre Geschichte wichtiger denn je.

Line-up:

Der 9. November 1918: Kipppunkt der deutschen Demokratiegeschichte? (Kirsten Heinsohn, Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg)
Der 9. November 1923 und der Hitlerputsch: Größenwahn oder Machtstrategie? Wie ein gescheiterter Putsch Hitler bekannt machte (Nadine Rossol, University of Essex)
Der 9. November 1938: Die Novemberpogrome (TITEL tba) (Michael Wildt, HU Berlin)
Der 9. November 1989: Der Mauerdurchbruch und die Freiheitsrevolution (Ilko-Sascha Kowalczuk, Berlin)

Wir laden Sie und Euch herzlich ein, zuzuhören und mitzudiskutieren. Zuschalten können Sie sich auf Zoom unter https://uni-koeln.zoom.us/j/99979537933?pwd=hGC2szPv31HkasIOesBED3VtaBuFQ1.1

Theateraufführung „Was heißt hier ,Wir‘? Auf der Suche nach der deutschen Identität“

Dienstag, 18.11.2025, 11:30 Uhr und 18:00 Uhr
Aula am Waldweg, Waldweg 26, 37073 Göttingen

Details

Das Theaterstück nimmt Sie mit auf eine Suche nach der deutschen Identität. Die Produktion setzt sich mit den brennenden Fragen unserer Zeit auseinander:

  • Was bedeutet es, deutsch zu sein?
  • Was ist „undeutsch“?
  • Wie beeinflusst die Vergangenheit unsere Gegenwart und wie gestalten wir unsere Zukunft?

Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten.
Alle weiteren Informationen können dem Flyer entnommen werden.


Die Jahrestage der Declaration of Independence am 4. Juli 1776 und des Sturms auf die Bastille in Paris am 14. Juli 1789 waren uns Anlass, an die demokratischen Revolutionen und Traditionen in Europa und den Amerikas zu erinnern.

Elf Tage lang wurden zentrale historische Texte vorgestellt, die von Idealen und Erfolgen, aber auch Versäumnissen und dem Scheitern der demokratischen Revolutionen erzählen. Diese Quellen neu zu lesen, schärft den Blick auf unsere eigene Gegenwart.

Hier geht es zur Liste der Veranstaltungen.


Zum Gedenktag am 8. Mai haben wir – die Initiative Historiker*innen für eine demokratische Gesellschaft (hist4dem) – mit einer Aktionswoche ein Zeichen für eine starke und wehrhafte Demokratie gesetzt. In zahlreichen Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und Zeitzeug:innengesprächen, Rundgängen und Workshops wurden Menschen dazu ermutigt, aktiv für eine Gesellschaft einzutreten, die sich auszeichnet durch Solidarität, Vielfalt, Rechtsstaatlichkeit, Offenheit und den Schutz der Menschenrechte.

Hier geht es zur Liste der Veranstaltungen.


Wir bitten Mitglieder des Netzwerks hist4dem darum, ihre Veranstaltungen unter aktionen@hist4dem.de zu melden.