{"id":659,"date":"2025-07-03T11:05:32","date_gmt":"2025-07-03T09:05:32","guid":{"rendered":"https:\/\/hist4dem.de\/?page_id=659"},"modified":"2026-03-24T10:41:12","modified_gmt":"2026-03-24T09:41:12","slug":"hot-topics","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/hot-topics\/","title":{"rendered":"Hot Topics"},"content":{"rendered":"<details class=\"wp-block-details\" open=\"open\">\r\n<summary>Was bedeutet \u201eGeschichtsrevisionismus\u201c?<\/summary>\r\n\r\n<p><strong>Grunds\u00e4tzlich meint \u201eRevisionismus\u201c den Versuch, etablierte Erkenntnisse, Interpretationen oder Theorien aufgrund neuer Methoden, Perspektiven oder Quellen zu \u00fcberarbeiten. Hierzu muss zwischen Revisionismus im Allgemeinen und Geschichtsrevisionismus im Besonderen unterschieden werden. Da Historiker:innen keine reinen Chronist:innen sind, die Geschichte \u201aeinfach\u2018 nur erz\u00e4hlen, sondern sich durch neue Deutungen der Vergangenheit um ein besseres Verst\u00e4ndnis der Gegenwart bem\u00fchen, ist die Revision \u2013 im Sinne einer Korrektur \u2013 ein normaler Bestandteil wissenschaftlichen Fortschritts. Eine Neubewertung oder -interpretation kann dabei nicht restlos objektiv und auch kein \u201eletztes Wort\u201c sein. Doch basiert Geschichtswissenschaft jenseits aller Neubewertungen auf einem Fundament unbestreitbarer Fakten, wie zum Beispiel: Die Pest hat sich ereignet, Sklaverei hat existiert und der Holocaust ist eine Tatsache.<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Im Gegensatz zur legitimen wissenschaftlichen Revision einer Ereignisdarstellung, versuchen extrem rechte Akteur:innen aus ideologischer Motivation historisch eindeutig bewiesene Tatsachen zu leugnen, zu verf\u00e4lschen oder zu verharmlosen, um ihre politische Agenda zu bef\u00f6rdern. Dabei beziehen sie sich oft auf die NS-Geschichte. Beispielsweise verbreiten Geschichtsrevisionisten die Position, dass keine systematische Vernichtung von J\u00fcdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten stattgefunden habe und dass der Holocaust ein Mythos sei \u2013 eine Behauptung, die in der Bundesrepublik Deutschland unter den Straftatbestand der Volksverhetzung (\u00a7 130StGB, Absatz 3) f\u00e4llt und mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu f\u00fcnf Jahren geahndet wird. Ebenso versuchen Geschichtsrevisionisten, die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg zu relativieren und Hitler als \u201eFriedenspolitiker\u201c darzustellen. Dementsprechend betonen sie in unredlicher und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Weise das Leiden der deutschen Bev\u00f6lkerung unter den Bombardierungen, Hungersn\u00f6ten, Invasionen, der Umsiedelung ganzer Bev\u00f6lkerungsteile oder der Rache der alliierten Sieger nach dem Krieg. Auf diese Weise betreiben sie eine T\u00e4ter-Opfer-Umkehr. <\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Geschichtsrevisionisten verfolgen die Absicht, durch wissenschaftlich unlautere Mittel das etablierte Geschichtsbild entsprechend ihrer (rechtsextremen) Weltanschauung umzudeuten und dabei als legitime Fachrichtung in den Historischen Wissenschaften Anerkennung und Akzeptanz zu finden. Aus der F\u00fclle an <\/strong>Quellen und Forschungsliteratur werden nur vereinzelte Dokumente ber\u00fccksichtigt, die in das zu konstruierende Geschichtsbild passen, w\u00e4hrend andere ausgeblendet werden. Eine pseudowissenschaftliche Sprache und die Verwendung von Fu\u00dfnoten und Verweisen t\u00e4uschen \u00fcber den Mangel an wissenschaftlicher Seriosit\u00e4t und belastbaren Argumenten hinweg, die Standards wissenschaftlicher Methodik und Quellenkritik werden nicht eingehalten. Revisionistische Darstellungen arbeiten mit emotionalisierenden Begriffen und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen und inszenieren sich als \u201eGegenstimme\u201c zur etablierten Forschung, die als \u201epolitisch motiviert\u201c diskreditiert wird. <strong>Geschichtsrevisionismus ist also keine harmlose Form der Meinungs\u00e4u\u00dferung, sondern eine zielgerichtete Attacke auf <\/strong><strong>Wahrheit, Erinnerung und Verantwortung<\/strong> und damit eine erhebliche Bedrohung f\u00fcr Gesellschaft, Demokratie und internationale Beziehungen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p>Geschichtsrevisionismus ist nicht allein in Deutschland und \u00d6sterreich in Bezug auf den Nationalsozialismus anzutreffen, sondern findet auch in anderen Zeitbereichen und L\u00e4ndern seinen Niederschlag. So wird eine geschichtsrevisionistische Ansicht auf die deutsche Kolonialgeschichte von der AfD verbreitet, die die Gr\u00e4uel der Kolonialherrschaft relativiert und verharmlost. Gleichzeitig wird eine Geschichtspolitik eingefordert, welche die \u201egewinnbringenden Errungenschaften dieser Zeit\u201c st\u00e4rker herausstellt.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Kolonialrevisionistische Narrative, welche die koloniale Unterwerfung als Zivilisierungsmission umdeuten, finden sich auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wie Frankreich, England und Spanien. Die pseudowissenschaftliche Relativierung von (faschistischen) Diktaturen und Milit\u00e4rregimes durch rechte und rechtsextreme Gruppen, Akteur:innen und Medien ist bei italienischen und spanischen Neofaschisten ebenso verbreitet wie in der extremen Rechten Lateinamerikas.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Li<\/strong><strong>teratur<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<ul class=\"wp-block-list\">\r\n<li><strong>Bildungsst\u00e4te Anne Frank e.V., Wie die Rechten Geschichte umdeuten. Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus. Frankfurt am Main 2020. URL: <a href=\"https:\/\/www.bs-anne-frank.de\/fileadmin\/content\/Publikationen\/Themenhefte\/Themenheft_Geschichtsrevisionismus_Web.pdf\">https:\/\/www.bs-anne-frank.de\/fileadmin\/content\/Publikationen\/Themenhefte\/Themenheft_Geschichtsrevisionismus_Web.pdf<\/a> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/strong><\/li>\r\n\r\n\r\n\r\n<li><strong>Brigitte Bailer-Galanda, \u201eRevisionism\u201c in Germany and Austria: The Evolution of a Doctrine, in: Hermann Kurthen\/Rainer Erb\/Werner Bergmann (Hrsg.), Anti-Semitism and Xenophobia in Germany after Unification, New York\/Oxford 1997. URL: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/12497\/1_bailer_revisionism.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/12497\/1_bailer_revisionism.pdf<\/a><strong> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/strong><\/li>\r\n\r\n\r\n\r\n<li><strong>Wolfgang Benz: Die Funktion von Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus f\u00fcr die rechte Bewegung. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergr\u00fcnde \u2013 Analysen \u2013 Antworten. Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, 2010, S. 404\u2013418.<\/strong><\/li>\r\n\r\n\r\n\r\n<li><strong>Uladzislau Belavusau: Historical Revisionism in Comparative Perspective: Law Politics, and Surrogate Mourning. <\/strong><strong>European University Institute, Department of Law, 2013.<\/strong><\/li>\r\n<\/ul>\r\n\r\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\">\r\n<summary><strong>Was bedeutet das \u201eWissenschaftsfreiheit\u201c?<\/strong><\/summary>\r\n\r\n<h3>Was bedeutet Wissenschaftsfreiheit?<\/h3>\r\n<ol>\r\n<li><strong> Was hei\u00dft Wissenschaftsfreiheit?<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Wissenschaftsfreiheit bedeutet, dass Wissenschaftler*innen ihre Themen frei w\u00e4hlen und Forschungsergebnisse ohne wissenschaftsfremde Einflussnahme ver\u00f6ffentlichen und diskutieren k\u00f6nnen. Sie ist ein Grundrecht nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes und gilt f\u00fcr alle, die mit wissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse gewinnen. Ma\u00dfgeblich sind allein Qualit\u00e4tskriterien wie empirische \u00dcberpr\u00fcfbarkeit, nachvollziehbare Argumentation und innovative Ergebnisse.<\/p>\r\n<p>Wissenschaftliche Erkenntnisse sind \u00fcberpr\u00fcfbare Aussagen und keine blo\u00dfen Meinungen. In der Geschichtswissenschaft gilt zugleich, dass Forschung immer <em>perspektivisch<\/em> ist. Historische Sachverhalte lassen sich unterschiedlich analysieren, je nachdem, welche Fragestellungen oder Bewertungskriterien Autor*innen zugrunde legen. Kritik durch Kolleg*innen ist daher zentral: Sie erweitert Perspektiven, f\u00fchrt zu Revisionen und erm\u00f6glicht wissenschaftlichen Fortschritt. Wissenschaftsfreiheit bedeutet somit auch, Forschungsergebnisse der \u00f6ffentlichen Kritik auszusetzen.<\/p>\r\n<p>In der aktuellen Kontroverse um Wissenschaftsfreiheit geht es vor allem um das Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Politik sowie um Macht- und Privilegienstrukturen innerhalb der Wissenschaft. Dabei stehen sich, so der Philosoph Karsten Schubert, zwei Auffassungen gegen\u00fcber:<\/p>\r\n<p><strong>(1)<\/strong> Ein <em>kritisches Verst\u00e4ndnis von Wissenschaftsfreiheit<\/em> geht davon aus, dass Wissenschaft immer in politische und gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse eingebettet ist und daher nicht \u201eneutral\u201c sein kann. Wissenschaftsfreiheit soll deshalb Rahmenbedingungen schaffen, unter denen m\u00f6glichst viele unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt auch, Strukturen zu ver\u00e4ndern, die bestimmte Gruppen systematisch ausschlie\u00dfen oder benachteiligen. In den Geschichtswissenschaften zeigt sich dies in der Rezeption von Gender Studies, Critical Race Theory, Postcolonial Studies und Alltagsgeschichte, die den Blick auf zuvor marginalisierte Gegenst\u00e4nde, Herrschaftsverh\u00e4ltnisse und Gruppen erweitern. Diese \u00d6ffnung soll Wissenschaft insgesamt demokratischer, gerechter und erkenntnisst\u00e4rker machen.<\/p>\r\n<p><strong>(2)<\/strong> Als <em>\u201eliberale\u201c Auffassung von Wissenschaftsfreiheit<\/em> bezeichnet Schubert Positionen, die Wissenschaftsfreiheit durch die Abwesenheit von Politik gew\u00e4hrleistet sehen, wie sie z.B. vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit vertreten wird. Sie versteht Wissenschaft als grunds\u00e4tzlich \u201eneutral\u201c und sieht in Diversifizierungsprozessen, gendersensibler Sprache oder kritischen Fachdebatten politisch-moralische Eingriffe einer \u201elinken Elite\u201c. Die Nicht-Bewilligung von Forschungsantr\u00e4gen wird dabei h\u00e4ufig als politisch motivierte Benachteiligung gedeutet. Eine Analyse der Mitglieder des Netzwerks zeigt, dass diese Bedrohungswahrnehmung vor allem von (mehrheitlich m\u00e4nnlichen) Professor*innen vertreten wird, die im Wissenschaftssystem besonders privilegierte Positionen innehaben. Zugleich f\u00e4llt auf, dass sich einige \u2013 entgegen ihrer Forderung nach Trennung von Wissenschaft und Politik \u2013 politisch explizit im rechtskonservativen bis hin zum neurechten Spektrum positionieren und aktiv entsprechende Lobby- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit betreiben.<\/p>\r\n<ol start=\"2\">\r\n<li><strong> Wodurch wird die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften bedroht?<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften wird vor allem durch politische, ideologische und gesellschaftliche Einflussnahmen bedroht. Da historische Deutungen eine zentrale Funktion f\u00fcr politische Orientierung und kollektive Identit\u00e4t haben, geraten Historiker*innen h\u00e4ufig unter Druck.<\/p>\r\n<p>Gef\u00e4hrdungen gehen weniger von der Fachcommunity selbst aus als vielmehr von politischen Akteur*innen, Parteien, Verb\u00e4nden, privaten Interessengruppen und Einzelpersonen. Staatliche Akteur*innen k\u00f6nnen die Wissenschaftsfreiheit beeintr\u00e4chtigen, wenn sie durch F\u00f6rderkriterien, gesetzliche Regelungen oder politische Vorgaben inhaltlich auf historische Forschung und Debatten einwirken oder bestimmte Positionen delegitimieren.<\/p>\r\n<p>Private Akteur:innen, aber auch Parteien und Verb\u00e4nde bedrohen die Freiheit von Forschung und Lehre unter anderem durch juristische Einsch\u00fcchterung, strategische Klagen oder politische Boykotte, die auf die Einschr\u00e4nkung offener wissenschaftlicher Diskussionen zielen. Auch akademische Boykotte werden als problematisch angesehen, wenn sie Forschende kollektiv f\u00fcr staatliches Handeln verantwortlich machen und damit evidenzbasierte Debatten untergraben.<\/p>\r\n<p>Eine besondere Rolle spielen soziale Medien, \u00fcber die von einzelnen Akteur*innen und\/oder Gruppen koordinierte Kampagnen zur Diskreditierung, Einsch\u00fcchterung und Delegitimierung von Wissenschaftler*innen gef\u00fchrt werden. Solche Angriffe verzerren \u00f6ffentliche Wahrnehmungen, erschweren sachliche Auseinandersetzungen und k\u00f6nnen erheblichen Druck auf wissenschaftliche Karrieren aus\u00fcben.<\/p>\r\n<p>Insgesamt zeigt sich, dass die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften zunehmend durch politische Instrumentalisierung, rechtliche Drohkulissen und mediale Dynamiken herausgefordert wird.<\/p>\r\n<ol start=\"3\">\r\n<li><strong> In welchen geschichtswissenschaftlichen Forschungsfeldern ist die Wissenschaftsfreiheit derzeit besonders bedroht? <\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Besonders bedroht sind derzeit Forschungsfelder, in denen historische und gegenw\u00e4rtige Machtverh\u00e4ltnisse, Ungleichheiten und Gewaltverh\u00e4ltnisse kritisch reflektiert werden. Darunter fallen insbesondere die Antisemitismusforschung, die Postcolonial Studies sowie die Gender Studies. Diese Bereiche sind h\u00e4ufig politischen Angriffen ausgesetzt, da sie etablierte nationale, kulturelle oder geschlechterbezogene Selbstbilder infrage stellen.<\/p>\r\n<p>Postkoloniale Forschung, die koloniale Machtverh\u00e4ltnisse und deren fortwirkende Folgen f\u00fcr Gesellschaften, Wissensordnungen und Identit\u00e4ten untersucht, wird dabei pauschal diffamiert. Ihre vergleichenden Methoden werden oft verzerrt dargestellt und in einen Zusammenhang mit Antisemitismus gebracht. Gender Studies werden als \u201eideologisch\u201c, \u201ewoke\u201c oder randst\u00e4ndig diskreditiert, indem ihre wissenschaftlichen Ans\u00e4tze auf symbolische oder sprachpolitische Fragen verk\u00fcrzt werden.<\/p>\r\n<p>Auch die Antisemitismusforschung ist besonderen Angriffen ausgesetzt, wenn ihre Analysen nicht mit politischen Deutungen \u00fcbereinstimmen oder zwischen Antisemitismus und legitimer Kritik an staatlicher Politik unterscheiden. Dadurch werden wissenschaftliche Positionen delegitimiert und offene Debatten verengt.<\/p>\r\n<p>Politische Akteur*innen nutzen parlamentarische, mediale und diskursive Strategien, um diese Forschungsfelder zu entwerten und ihren wissenschaftlichen Status infrage zu stellen. Dadurch werden die Grenzen wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannter Forschung und Lehre schrittweise verschoben und eine Einschr\u00e4nkung der Wissenschaftsfreiheit normalisiert. Langfristig gef\u00e4hrden diese Entwicklungen nicht nur die Geschichtswissenschaft, sondern auch pluralistische Debattenkulturen und eine kritisch-reflexive historisch-politische Bildung.<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/p>\r\n<p>Dartmann, Christoph, Antje Fl\u00fcchter, Silke Schwandt, \u201aWissenschaftsfreiheit\u2019 und Pluralisierung.\u201c Public History Weekly, 3 (2021). https:\/\/doi.org\/10.1515\/phw-2021-17995.<\/p>\r\n<p>Schubert, Karsten: Zwei Begriffe der Wissenschaftsfreiheit. Zum Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Politik. <em>Zeitschrift f\u00fcr Praktische Philosophie<\/em>, 10, 1 (2023), S. 39\u201378, hier S. 2, 41. www.praktische-philosophie.org<\/p>\r\n\r\n\r\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\r\n\r\n\r\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten, AfD fordert anderen Blick auf Kolonialzeit. 18.12.2019. URL: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_12\/674170-674170\">https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_12\/674170-674170<\/a> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/p>\r\n<\/details><!-- \/wp:details --><!-- wp:post-content --><!-- wp:details --><details class=\"wp-block-details\">\r\n<summary><strong>Was bedeutet das \u201eNeutralit\u00e4tsgebot\u201c?<\/strong><\/summary>\r\n<!-- wp:paragraph {\"placeholder\":\"Gib \/ ein, um einen verborgenen Block hinzuzuf\u00fcgen\"} -->\r\n<p>Das \u201eNeutralit\u00e4tsgebot\u201c sorgt an vielen Stellen f\u00fcr Unsicherheit. Nicht wenige Leute glauben, dass man als Lehr- und F\u00fchrungskraft in Universit\u00e4ten, Schulen oder anderen \u00f6ffentlichen Institutionen historischer Bildung keine politische Meinung \u00e4u\u00dfern und nicht politisch aktiv werden d\u00fcrfe. Auch die Ansicht, dass f\u00fcr Beamtinnen und Beamte andere Regeln gelten als f\u00fcr Angestellte, ist weit verbreitet. All dies ist nicht der Fall: Beamt*innen und Angestellte sind <em>alle<\/em> <em>gleicherma\u00dfen<\/em> dem Grundgesetz verpflichtet und m\u00fcssen demnach Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die freiheitlichen und demokratischen Grund- und Menschenrechte vermitteln. Sie sind verpflichtet, eine klare Haltung gegen menschenverachtende \u00c4u\u00dferungen jeglicher Art sowie gegen Gewaltverherrlichung einzunehmen. Es ist ihre Aufgabe, Sch\u00fcler*innen sowie B\u00fcrger*innen zu lehren und stetig daran zu erinnern: Es stellt einen hohen Wert dar, sich aktiv f\u00fcr die W\u00fcrde des Menschen (und zwar aller Menschen unabh\u00e4ngig von Herkunft, Religion, sexueller Orientierung etc.) und eine demokratische Gesellschaft einzusetzen.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.kmk.org\/fileadmin\/pdf\/PresseUndAktuelles\/2024\/2024_04_08-Erklaerung_der_Kultusministerkonferenz_75_Jahre_Grundgesetz_endf.pdf\">Kultusministerkonferenz <\/a>h\u00e4lt unmissverst\u00e4ndlich fest: \u201eF\u00fcr die Auseinandersetzung mit historisch-politischen Fragen im oder au\u00dferhalb des Unterrichts, in Vorlesungen oder Seminaren gelten Grunds\u00e4tze, die sich an unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung orientieren \u2013 wie die Rechtsstaatlichkeit, das Demokratieprinzip oder die Menschenw\u00fcrde im Bewusstsein unserer historischen Verantwortung. <strong>Die notwendige \u00dcberparteilichkeit staatlichen Handelns ist hierbei nicht mit Wertneutralit\u00e4t zu verwechseln.<\/strong> Positionen oder Stellungnahmen, die diesen Werten widersprechen oder diese angreifen, k\u00f6nnen nicht neutral und erst recht nicht widerspruchslos stehengelassen werden.<em>\u201c<\/em><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Der \u201eBeutelsbacher\u00a0Konsens<em>\u201c<\/em> von 1977 formuliert drei zentrale didaktische Prinzipien politischer Bildung:<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:list {\"ordered\":true} -->\r\n<ol class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Das \u00dcberw\u00e4ltigungs-\u00a0bzw.\u00a0Indoktrinationsverbot. \u00a0Lehrkr\u00e4fte d\u00fcrfen ihre eigene politische Meinung zwar \u00e4u\u00dfern, m\u00fcssen diese aber als solche klar kenntlich machen. Dabei d\u00fcrfen sie ihre politische Meinung nicht als allgemeing\u00fcltig darstellen.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Das Kontroversit\u00e4tsgebot. Kontroverse Themen sollen multiperspektivisch diskutiert werden.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Bef\u00e4higung zur politischen Teilhabe. Lehrende m\u00fcssen mit ihrem Handeln das Ziel verfolgen, Sch\u00fcler*innen zur politischen Teilhabe zu bef\u00e4higen.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ol>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Auch hier geht es nicht um Neutralit\u00e4t: Aus dem \u00dcberw\u00e4ltigungsverbot oder der kontroversen Diskussion von Unterrichtsinhalten folgt nicht, dass die Lehrkraft keine eigenen Positionen haben und offenlegen darf.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Links<\/strong>:<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/bildung\/dossier-bildung\/292674\/was-man-sagen-darf-mythos-neutralitaet-in-schule-und-unterricht\">Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Dossier Bildung: \u00abMythos Neutralit\u00e4t in Schule und Unterricht\u00bb<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/studienfoerderung\/15341.pdf\">Friedrich Ebert Stiftung, Joachim Wieland: \u00abWas man sagen darf: Mythos<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/studienfoerderung\/15341.pdf\">Neutralit\u00e4t in Schule und Unterricht\u00bb<\/a> (zur Kl\u00e4rung der Rechtslage mit Fallbeispielen)<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.gew.de\/aktuelles\/detailseite\/lehrkraefte-muessen-nicht-neutral-sein\">GEW, Aktuelles: \u00abDebatte um &#8216;Neutralit\u00e4t&#8217; im Klassenzimmer\u00bb<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.institut-fuer-menschenrechte.de\/themen\/rechtsstaat\/neutralitaetsgebot\">Institut f\u00fcr Menschenrechte<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list --><\/details><!-- \/wp:details -->\r\n\r\n<!-- wp:details --><details class=\"wp-block-details\">\r\n<summary><strong>Was ist Extremismus?<\/strong><\/summary>\r\n<!-- wp:paragraph {\"placeholder\":\"Gib \/ ein, um einen verborgenen Block hinzuzuf\u00fcgen\"} -->\r\n<p>Als Extremismus werden s\u00e4mtliche Bestrebungen bezeichnet, welche die zentralen Grundwerte, Normen und Regeln unseres Staates abschaffen oder einschr\u00e4nken wollen. Allen voran z\u00e4hlen dazu die Unantastbarkeit der <strong><em>Menschenw\u00fcrde<\/em><\/strong> (Art. 1 Grundgesetz), das <strong><em>Demokratieprinzip<\/em><\/strong>, das alle B\u00fcrger:innen gleichberechtigt am Prozess der politischen Willensbildung teilhaben l\u00e4sst, und die <strong><em>Rechtsstaatlichkeit<\/em><\/strong>, wonach der Staat nur im Rahmen bestehender Gesetze handeln darf. Zusammen werden diese drei Prinzipien auch als \u201e<strong><em>freiheitlich demokratische Grundordnung<\/em><\/strong>\u201c (kurz: \u201eFDGO\u201c) bezeichnet. Extremist:innen beziehungsweise extremistisch orientierte Personen richten sich gegen diese freiheitlich demokratische Grundordnung und lehnen beispielsweise das Grundgesetz, die freie Presse und demokratische Institutionen ab. Oft sind sie empf\u00e4nglich f\u00fcr Verschw\u00f6rungstheorien, bef\u00fcrworten Gewalt zur Durchsetzung ihrer eigenen antidemokratischen und antipluralistischen Ziele oder propagieren sogar Terrorismus als die militanteste und radikalste Form des Extremismus. Das Bundesamt und die Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz beobachten unterschiedliche Formen von Extremismus und teilen diese aktuell in die folgenden sechs Kategorien ein: <em>Rechtsextremismus<\/em>, <em>Reichsb\u00fcrger<\/em> <em>und Selbstverwalter,<\/em> <em>Islamismus und <\/em><em>islamistischer Terrorismu<\/em>s, <em>auslandsbezogener Extremismus<\/em>,<em>Linksextremismus<\/em> und <em>Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates<\/em>.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist die \u201eExtremismustheorie\u201c?<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges beziehungsweise im Kontext des aufkommenden Kalten Krieges entstand in den Politikwissenschaften die sogenannte <em>\u201e<\/em>Extremismustheorie<em>\u201c.<\/em> Laut diesem theoretischen Modell existiert eine Links-Rechts-Achse des politischen Spektrums, in dessen Mitte sich die Kr\u00e4fte befinden, welche die freiheitlich demokratische Grundordnung erhalten wollen. Je weiter entfernt eine Position von der politischen Mitte ist, desto radikaler wird sie eingestuft, wobei <em>Links<\/em>&#8211; und <em>Rechtsradikalismus<\/em> noch unter den Schutz der Meinungsfreiheit fallen. Die \u00e4u\u00dfersten R\u00e4nder auf der Links-Rechts-Achse werden dagegen als <em>Links- bzw. Rechtsextremismus <\/em>bezeichnet und stets als verfassungsfeindlich bewertet. Der <em>\u201e<\/em>Extremismustheorie<em>\u201c <\/em>zufolge wird das politische System der Bundesrepublik Deutschland von \u201elinks\u201c und \u201erechts\u201c gleicherma\u00dfen bedroht, was auf folgende Kritikpunkte st\u00f6\u00dft. Erstens ist empirisch klar belegt, dass die rechtsextrem motivierte Gewalt und vor allem die daraus resultierende Anzahl an Todesopfer um ein Vielfaches h\u00f6her ist, sodass Gewalt von links und rechts nicht gleichsetzt werden k\u00f6nnten. Zweitens fokussiert sich die <em>\u201e<\/em>Extremismustheorie<em>\u201c <\/em>auf eine bipolare Rechts-Links-Konfliktstruktur in unserer Gesellschaft, wodurch nicht eindeutig zuordenbare Extremismusformen wie etwa \u201eIslamismus\u201c vernachl\u00e4ssigt werden. Drittens schreibt dieses theoretische Modell der politischen Mitte eine ausgleichende Wirkung zu und l\u00e4sst dabei au\u00dfer Betracht, dass extremistische Einstellungen auch in der Mitte der Gesellschaft existieren k\u00f6nnen. In den Sozialwissenschaften z\u00e4hlt die <em>\u201e<\/em>Extremismustheorie<em>\u201c <\/em>daher nicht zum Standard der Forschung.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Extremismuspr\u00e4vention<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>F\u00fcr Radikalisierung gibt es vielf\u00e4ltige Ursachen, die von individuellen \u00fcber famili\u00e4re bis zu gesellschaftlichen Faktoren reichen. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat die Suche nach der eigenen Identit\u00e4t sowie sozialer Anerkennung und Bindung einen hohen Stellenwert und nicht jede radikale Idee ist eine Gefahr f\u00fcr unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung (FDGO). Zur Erkennung von Radikalisierungstendenzen im analogen wie im digitalen Raum ist Wissen \u00fcber extremistische Ideologien und Szenecodes sowie eine professionelle sozialp\u00e4dagogische Einsch\u00e4tzung von zentraler Bedeutung. Extremismusverdacht besteht in jedem Fall, wenn die Bereitschaft w\u00e4chst, die radikalen Positionen mit illegitimen Mitteln wie der Anwendung von Gewalt durchzusetzen. In der Bundesrepublik existieren viele verschiedene Projekte und Programme von Extremismuspr\u00e4vention und Demokratief\u00f6rderung, siehe dazu \u201eweiterf\u00fchrende Links\u201c.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Historische Rechtsextremismusforschung<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Die historische Rechtsextremismusforschung ist im Grunde so alt wie die extreme Rechte nach 1945 selbst. Aufgrund starker Kontinuit\u00e4ten im akademischen Betrieb der Zeitgeschichte kamen erste Impulse f\u00fcr die Erforschung von Re-Nazifizierungstendenzen und antidemokratischem Nationalismus vor allem von emigrierten Wissenschaftler:innen. Erst ab den 1960er Jahren besch\u00e4ftigten sich westdeutsche Zeithistoriker:innen zunehmend mit Themen wie Geschichtsrevisionismus und der Leugnung der NS-Verbrechen. In den beiden Folgejahrzehnten entwickelte sich auch nominell die Disziplin \u201eRechtsextremismusforschung\u201c, die sich zun\u00e4chst insbesondere auf extrem rechte Parteien und Organisationen fokussierte. Trotz einer pogromartigen Gewaltwelle nach der deutschen Wiedervereinigung blieb die Ereignisgeschichte von Rechtsextremismus, Rassismus und Fremdheitserfahrungen weiterhin unterbeleuchtet. Das Erstarken der vom Verfassungsschutz inzwischen als \u201egesichert rechtsextrem\u201c eingestuften AfD hat in den letzten Jahren jedoch zu einer st\u00e4rkeren Erforschung der \u00a0Ideen-, Organisations- und Gewaltgeschichte der radikalen und extremen Rechten gef\u00fchrt, bei der auch die Untersuchung der sogenannten \u201epolitische Mitte\u201c nicht au\u00dfer Acht bleiben darf.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Links:<\/strong><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.demokratie-leben.de\">https:\/\/www.demokratie-leben.de<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/mediathek\/video\/515343\/tipps-fuer-extremismuspraevention\/\">https:\/\/www.bpb.de\/mediathek\/video\/515343\/tipps-fuer-extremismuspraevention\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/mosaik-deutschland.de\/projekte\/extremismuspraevention\/\">https:\/\/mosaik-deutschland.de\/projekte\/extremismuspraevention\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.verfassungsschutz.de\/DE\/home\/home_node.html\">https:\/\/www.verfassungsschutz.de\/DE\/home\/home_node.html<\/a> \u00a0<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.lpb-bw.de\/was-ist-extremismus\">https:\/\/www.lpb-bw.de\/was-ist-extremismus<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/themen\/rechtsextremismus\/dossier-rechtsextremismus\/200099\/kritische-anmerkungen-zur-verwendung-des-extremismuskonzepts-in-den-sozialwissenschaften\/\">https:\/\/www.bpb.de\/themen\/rechtsextremismus\/dossier-rechtsextremismus\/200099\/kritische-anmerkungen-zur-verwendung-des-extremismuskonzepts-in-den-sozialwissenschaften\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list --><\/details><!-- \/wp:details -->\r\n\r\n<!-- wp:details --><details class=\"wp-block-details\">\r\n<summary><strong>Was ist Gender?<\/strong><\/summary>\r\n<!-- wp:paragraph {\"placeholder\":\"Gib \/ ein, um einen verborgenen Block hinzuzuf\u00fcgen\"} -->\r\n<p>Das englische Wort \u201eGender\u201c wurde in Deutschland zun\u00e4chst in wissenschaftlichen Kontexten verwendet. Es macht deutlich, dass es neben dem biologischen Geschlecht (<em>sex<\/em>) gesellschaftliche Rollen und kulturelle Vorstellungen dar\u00fcber gibt, wie sich ein bestimmtes Geschlecht zu pr\u00e4sentieren hat und woran es im Alltag erkennbar sein soll.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Durch diese sprachliche Unterscheidung wird hervorgehoben, dass Geschlecht historisch, sozial und kulturell bedingt und damit ver\u00e4nderlich ist. Menschen haben ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Geschlecht in fr\u00fcheren Zeiten anders ausgedr\u00fcckt als es heute \u00fcblich ist, und auch in Zukunft wird dies vermutlich wiederum anders geschehen. Es gibt also kein feststehendes Gender, sondern nur historisch, sozial und politisch wandelbare Vorstellungen davon, wie Geschlechter zu sein haben. Inzwischen wird zudem betont, dass selbst das biologische Geschlecht nicht so eindeutig ist, wie lange angenommen wurde.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>In den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften geh\u00f6rt Gender mittlerweile \u2013 neben Kategorien wie \u201eKlasse\u201c oder \u201eEthnizit\u00e4t\u201c \u2013 zu den grundlegenden Analysekategorien. Gleichzeitig ist der Begriff in den vergangenen Jahren, insbesondere von der radikalen Rechten, zu einem Kampfbegriff gemacht worden. Die Debatten um Gender verlaufen in diesem Kontext oft unsachlich und sind emotional stark aufgeladen. Gender wird dabei als Feindbild konstruiert und in Verschw\u00f6rungsdiskursen als Teil einer sogenannten \u201e<a href=\"https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/reizwort-woke\/\">woken Agenda<\/a>\u201c dargestellt \u2013 einer abwertenden Bezeichnung f\u00fcr eine angebliche Agenda \u00fcbertriebener politischer Korrektheit.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Aus diesem Umfeld stammen Begriffe wie \u201eGender-Gaga\u201c, \u201eGenderwahn\u201c oder \u201eGenderideologie\u201c. Der Ausdruck \u201e<a href=\"https:\/\/www.unwortdesjahres.net\/unwort\/das-unwort-seit-1991\/\">Genderwahn<\/a>\u201c wurde 2017 zum <em>Unwort des Jahres<\/em> erkl\u00e4rt. Die Jury begr\u00fcndete ihre Entscheidung damit, dass in konservativen bis rechtspopulistischen Kreisen Bem\u00fchungen um Geschlechtergerechtigkeit \u2013 von geschlechtergerechter Sprache \u00fcber die Ehe f\u00fcr alle bis hin zur Anerkennung von Transgender-Personen \u2013 mit diesem Schlagwort pauschal diffamiert w\u00fcrden. Die Wahl zum Unwort des Jahres machte deutlich, dass mit solchen Begriffen versucht wird, Gender als unwissenschaftlich abzuwerten und ins L\u00e4cherliche zu ziehen.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gibt es eine \u201eGendersprache\u201c?<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Nein. Es gibt jedoch eine gendersensible bzw. gendergerechte Sprache, die darauf abzielt, alle Menschen gleichberechtigt sichtbar zu machen und einzuschlie\u00dfen. Der <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch\">Duden<\/a> und der <a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-erlaeuterungen-begruendung-und-kriterien-vom-15-12-2023\/\">Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung<\/a> empfehlen eine geschlechtergerechte Sprache, die zumindest die Ber\u00fccksichtigung von M\u00e4nnern und Frauen sicherstellt. Dabei verweisen sie auf die im Grundgesetz festgeschriebene Gleichberechtigung: \u201eDie Gleichbehandlung der Geschlechter wird im Artikel 3 des Grundgesetzes f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland garantiert. Um Gleichstellung zu realisieren, ist der Sprachgebrauch ein relevanter Faktor. Bei Bezeichnungen wie <em>die Antragsteller; alle Sch\u00fcler; Kollegen<\/em> ist sprachlich nicht eindeutig, ob nur auf M\u00e4nner referiert wird [\u2026]. Das Deutsche bietet eine F\u00fclle an M\u00f6glichkeiten, geschlechtergerecht zu formulieren.\u201c<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Der Ausdruck \u201eGendersprache\u201c ist daher kein neutraler Begriff, sondern ein politischer Kampfbegriff, der vor allem von rechten Kreisen genutzt wird, um geschlechtergerechte Ausdrucksweisen zu diskreditieren.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Da Sprache unsere Wahrnehmung der Welt pr\u00e4gt, ist geschlechtergerechte Sprache ein zentraler Baustein, um Gleichstellung zu f\u00f6rdern. Das <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2017\/10\/rs20171010_1bvr201916.html\">Bundesverfassungsgericht<\/a> stellte 2017 fest, dass Menschen, die sich dauerhaft weder dem m\u00e4nnlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, vor Diskriminierung gesch\u00fctzt sind. Es entschied, dass ihre Grundrechte verletzt werden, wenn das Personenstandsrecht sie zwingt, sich einem der beiden Geschlechter zuzuordnen, ohne eine weitere positive Eintragungsm\u00f6glichkeit vorzusehen.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Seitdem stellt sich die Frage, wie dieser rechtlichen Realit\u00e4t auch sprachlich Rechnung getragen werden kann. In der Praxis haben sich verschiedene Formen der gendersensiblen Schreibweise etabliert, eine einheitliche L\u00f6sung gibt es bislang jedoch nicht. Der <a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021\/\">Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung<\/a> bekr\u00e4ftigte 2021, \u201edass allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll und sie sensibel angesprochen werden sollen\u201c.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Im Zentrum steht dabei das Ziel, Sprache so zu gestalten, dass sich alle Menschen \u2013 auch jenseits der Zweigeschlechtlichkeit \u2013 angesprochen f\u00fchlen und die Vielfalt unserer Lebenswelt angemessen zum Ausdruck kommt.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Anstatt die Demokratisierung von Sprache als Teil gesellschaftlichen Aushandlungsprozesses zu begreifen, hat die Politisierung des Diskurses durch den Kampfbegriff \u201eGendersprache\u201c zu einer starken Emotionalisierung gef\u00fchrt und die Suche nach L\u00f6sungen in diesem Prozess verz\u00f6gert. Nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Drucks von rechts haben inzwischen mehrere Landesregierungen in Deutschland das Gendern mit Sonderzeichen in offiziellen Texten untersagt. Im August 2025 sprach sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer f\u00fcr ein generelles <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/gendern-kulturstaatsminister-100.html\">Verbot gendergerechter Sprache mit Sonderzeichen<\/a> in allen \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten Institutionen aus. Er begr\u00fcndete dies mit dem Ziel, eine Sprachregelung zu schaffen, \u201edie f\u00fcr alle nachvollziehbar ist und breite Akzeptanz findet\u201c. Mit dieser Begr\u00fcndung erhebt Weimer den Anspruch, f\u00fcr die gesamte Gesellschaft zu sprechen, obwohl die Sprachpraxis und die Diskussionen in Wissenschaft, Medien und Alltag gerade zeigen, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt und eine \u201eeinheitliche Akzeptanz\u201c nicht besteht. Gleichzeitig bezeichnete er das Gendern als \u201ebevormundende Spracherziehung\u201c, die die \u201eSpaltung der Gesellschaft vertiefe\u201c \u2013 eine Argumentation, die sich klar in die neurechten Verschw\u00f6rungsdiskurse um die \u201ewoke Agenda\u201c einf\u00fcgt, wie sie u.a. von der rechtsextremistischen <a href=\"https:\/\/kleineanfragen.de\/bundestag\/19\/8788-genderkritik-und-die-gefahr-der-spaltung-der-gesellschaft-durch-misandrie\">AfD<\/a> propagiert werden.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was sind Gender Studies?<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Ausgangspunkt f\u00fcr die Gender Studies war die Frauenforschung der 1970er und 1980er Jahre. Ihr Ziel war es, Frauen sichtbar zu machen und die Bedeutung von Geschlecht f\u00fcr Geschichte und Gegenwart aufzuzeigen. Daraus hat sich eine vielseitige Geschlechterforschung \u2013 heute Gender Studies \u2013 entwickelt, die neben Frauen auch M\u00e4nner und M\u00e4nnlichkeiten in den Blick nimmt (Masculinity Studies). Ein weiterer Zweig setzt sich kritisch mit dem System der Zweigeschlechtlichkeit und Heteronormativit\u00e4t auseinander (Queer Studies).<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Die Gender Studies erforschen die Bedeutung und Wirkung von Geschlecht und Geschlechterverh\u00e4ltnissen. Dabei geht es, so der<a href=\"https:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/download\/2023\/1385-23\"> Wissenschaftsrat<\/a> in seinen \u201eEmpfehlungen zur Weiterentwicklung der Geschlechterforschung in Deutschland\u201c von 2023, unter anderem um folgende Fragen:<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Was bedeutet \u201eGeschlecht\u201c in unterschiedlichen Epochen, Kulturen und gesellschaftlichen Bereichen?<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Wie entstehen Geschlechterverh\u00e4ltnisse, und wie werden sie gestaltet?<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Welche Rolle spielen Geschlechterdifferenzen, Geschlechterrollen und Geschlechtsidentit\u00e4ten f\u00fcr einzelne Menschen und f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt?<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Wegen dieser breiten Fragestellungen versteht sich die Geschlechterforschung als interdisziplin\u00e4res Forschungsfeld, das nicht auf eine einzelne Disziplin beschr\u00e4nkt ist.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Geschlechterforschung kann also in fast allen wissenschaftlichen F\u00e4chern gewinnbringend durchgef\u00fchrt werden. In der geschlechtersensiblen Medizin wird z.B. zu den unterschiedlichen Symptomen bei M\u00e4nnern und Frauen bei Krankheiten wie einem Herzinfarkt geforscht.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>In der Geschichtswissenschaft erweitert und differenziert eine gendergeschichtliche Perspektive den Blick auf den Gegenstand in allen Epochen und zu nahezu allen Themen. Geschlechtergeschichte untersucht einerseits jeweils spezifische Erfahrungen und Lebensbedingungen von Frauen und M\u00e4nnern in der Geschichte. Sie thematisiert aber auch die Frage, wie sich Vorstellungen \u00fcber und Zuschreibungen an die Geschlechter sowie ihre Beziehung zueinander in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen niedergeschlagen und das Denken und Handeln von Menschen gepr\u00e4gt haben: als identit\u00e4tsstiftende Elemente nationalstaatlicher oder auch ethnisch-kultureller Zugeh\u00f6rigkeit, als Argumente f\u00fcr Ausgrenzungen, als Metaphern in der politischen und allt\u00e4glichen Sprache, oder auch als Leitvorstellungen in der Familien- und Sozialpolitik. Dabei wird zunehmend auch ber\u00fccksichtigt, wie Geschlecht mit anderen gesellschaftlichen Kategorien wie Klasse, \u201eRace\u201c oder Religion verschr\u00e4nkt ist \u2013 ein Ansatz, der als Intersektionalit\u00e4t bezeichnet wird.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Geschlechterforschung wird oft scharf angegriffen und als unwissenschaftlich denunziert. Folgt man den Soziologinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa, die sich schon 2015 mit Anti-Genderismus befasst haben, ist das mehr als ein Angriff auf die Geschlechterforschung allein und auch mehr als ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit. Nach ihnen handelt es sich um einen Angriff auf die Wissenschaft und die Universit\u00e4t als Ort, an dem gesellschaftliche Wirklichkeit als Teil einer offenen Gesellschaft verhandelt wird. Dies wird durch die zahlreichen parlamentarischen Initiativen der AfD-Fraktion im Bundestag und in Landtagen belegt, in denen sie detailliert die Finanzierung und Inhalte von Gender- und Diversit\u00e4tsprojekten an Hochschulen hinterfragt und diese u.a. als \u201ePseudowissenschaften\u201c und \u201elinks-gr\u00fcn-rote Umerziehung von oben\u201c diskreditiert. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Angriffe auf die Geschlechterforschung eine politische Dimension haben, die die Wissenschaftsfreiheit und die gesellschaftliche Debatte \u00fcber Geschlechterfragen infrage stellt.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Oft wird behauptet, mit Gender-Professuren w\u00fcrden Steuergelder verschwendet. Ein Blick in die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zeigt jedoch: Im Sommersemester 2023 gab es lediglich 173 Professuren mit einer Voll- oder Teildenomination in der Frauen- und\/oder Geschlechterforschung (ohne Gastprofessuren). Das entspricht weniger als 0,4 % aller Professuren an deutschen Hochschulen \u2013 bei insgesamt 50.260 Professor*innen im Jahr 2021. Es handelt sich also um einen sehr kleinen Anteil der Hochschulfinanzierung. Gleichzeitig liefert die Geschlechterforschung zentrale Erkenntnisse mit hoher gesellschaftlicher Relevanz: Sie tr\u00e4gt in der Medizin dazu bei, Leben zu retten, indem sie geschlechtsspezifische Unterschiede bei Symptomen und Therapien sichtbar macht; sie weist auf strukturelle Ungleichbehandlungen hin \u2013 etwa in Bezug auf Care-Arbeit, Altersarmut, Diskriminierung oder den Gender Pay Gap \u2013 und sie macht in der Geschichtswissenschaft jene Teile der Gesellschaft sichtbar, die lange unsichtbar geblieben sind.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:heading {\"level\":3} -->\r\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Links und Literatur<\/h3>\r\n<!-- \/wp:heading -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Bundesverfassungsgericht: Leits\u00e4tze zum Beschluss des Ersten Senats vom 10. Oktober 2017. <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2017\/10\/rs20171010_1bvr201916.html\">https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2017\/10\/rs20171010_1bvr201916.html<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Deutscher Bundestag: Stenografischer Bericht. 114. Sitzung, Mittwoch, 5. Juli 2023. TOP 13: Antrag der AfD-Fraktion auf Evaluation sogenannter Agendawissenschaften durch den Wissenschaftsrat. https:\/\/dserver.bundestag.de\/btp\/20\/20114.pdf<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Deutscher Bundestag: 19. Wahlperiode. Drucksache 8788, 27.03.2019. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion \u201eGenderkritik und die Gefahr der Spaltung der Gesellschaft durch Misandrie.\u201c https:\/\/kleineanfragen.de\/bundestag\/19\/8788-genderkritik-und-die-gefahr-der-spaltung-der-gesellschaft-durch-misandrie<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>Dudenredaktion (Hg.): Duden. Die deutsche Rechtschreibung. Das umfassende Standardwerk auf der Grundlage der amtlichen Regeln, 29., v\u00f6llig neu bearb. u. erw. Auflage, Bd. 1, Berlin 2024 und <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch\">https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Genderwahn. In: Diskursatlas Feminismus. <a href=\"https:\/\/www.diskursatlas.de\/index.php?title=Genderwahn\">https:\/\/www.diskursatlas.de\/index.php?title=Genderwahn<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Geschlechter\u00adgerechter Sprach\u00adgebrauch. In: Duden, Sprachwissen, Sprache und Stil. <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch\">https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Hark, Sabine, Paula-Irene Villa (Hg.): Anti-Genderismus. Sexualit\u00e4t und Geschlecht als Schaupl\u00e4tze aktueller politischer Auseinandersetzungen. Bielefeld: Transcript 2015.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li><a href=\"https:\/\/docupedia.de\/zg\/Docupedia%3AKirsten_Heinsohn\">Heinsohn<\/a>, Kirsten, <a href=\"https:\/\/docupedia.de\/zg\/Docupedia%3AClaudia_Kemper\">Claudia Kemper<\/a>: Geschlechtergeschichte. In: Docupedia-Zeitgeschichte, 04.12.2012. <a href=\"https:\/\/docupedia.de\/zg\/zg\/Geschlechtergeschichte\">https:\/\/docupedia.de\/zg\/\/zg\/Geschlechtergeschichte<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>N\u00e4ser-Lather, Marion: Reizwort: Woke. In: Geschichte der Gegenwart, 22.06.2025. https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/reizwort-woke\/<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Opitz-Belakhal, Claudia: Geschlechtergeschichte. Frankfurt a.M.\/New York \u00b22018.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung: Geschlechtergerechte Schreibung: Erl\u00e4uterungen, Begr\u00fcndung und Kriterien vom 15.12.2023. <a href=\"https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-erlaeuterungen-begruendung-und-kriterien-vom-15-12-2023\/\">https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-erlaeuterungen-begruendung-und-kriterien-vom-15-12-2023\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung: Geschlechtergerechte Schreibung: Empfehlungen vom 26.03.2021.<a href=\"%20https:\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021\/\"> https:\/\/www.rechtschreibrat.com\/geschlechtergerechte-schreibung-empfehlungen-vom-26-03-2021\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Unwort des Jahres 2017: Genderwahn. <a href=\"https:\/\/www.unwortdesjahres.net\/unwort\/das-unwort-seit-1991\/\">https:\/\/www.unwortdesjahres.net\/unwort\/das-unwort-seit-1991\/<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Weimer wirbt f\u00fcr weitere Genderverbote. In: Tagesschau vom 08.08.2025. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/gendern-kulturstaatsminister-100.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/gesellschaft\/gendern-kulturstaatsminister-100.html<\/a>.<\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li>F\u00fcr\u00a0 eine \u00abRechtliche Einsch\u00e4tzung staatlicher &#8216;Genderverbote\u00bb vgl. <a href=\"https:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/publikationen\/Standpunkte\/05_genderverbot.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4\">https:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/publikationen\/Standpunkte\/05_genderverbot.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li>Wissenschaftsrat. Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Geschlechterforschung in Deutschland (Drs.\u00a01385-23), K\u00f6ln, Juli 2023. <a href=\"https:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/download\/2023\/1385-23\">https:\/\/www.wissenschaftsrat.de\/download\/2023\/1385-23<\/a><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n<!-- \/wp:list --><\/details><!-- \/wp:details -->\r\n\r\n<!-- wp:details --><details class=\"wp-block-details\" open=\"open\">\r\n<summary>Was bedeutet \u201eGeschichtsrevisionismus\u201c?<\/summary>\r\n<!-- wp:paragraph {\"placeholder\":\"Gib \/ ein, um einen verborgenen Block hinzuzuf\u00fcgen\"} -->\r\n<p><strong>Grunds\u00e4tzlich meint \u201eRevisionismus\u201c den Versuch, etablierte Erkenntnisse, Interpretationen oder Theorien aufgrund neuer Methoden, Perspektiven oder Quellen zu \u00fcberarbeiten. Hierzu muss zwischen Revisionismus im Allgemeinen und Geschichtsrevisionismus im Besonderen unterschieden werden. Da Historiker:innen keine reinen Chronist:innen sind, die Geschichte \u201aeinfach\u2018 nur erz\u00e4hlen, sondern sich durch neue Deutungen der Vergangenheit um ein besseres Verst\u00e4ndnis der Gegenwart bem\u00fchen, ist die Revision \u2013 im Sinne einer Korrektur \u2013 ein normaler Bestandteil wissenschaftlichen Fortschritts. Eine Neubewertung oder -interpretation kann dabei nicht restlos objektiv und auch kein \u201eletztes Wort\u201c sein. Doch basiert Geschichtswissenschaft jenseits aller Neubewertungen auf einem Fundament unbestreitbarer Fakten, wie zum Beispiel: Die Pest hat sich ereignet, Sklaverei hat existiert und der Holocaust ist eine Tatsache.<\/strong><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>Im Gegensatz zur legitimen wissenschaftlichen Revision einer Ereignisdarstellung, versuchen extrem rechte Akteur:innen aus ideologischer Motivation historisch eindeutig bewiesene Tatsachen zu leugnen, zu verf\u00e4lschen oder zu verharmlosen, um ihre politische Agenda zu bef\u00f6rdern. Dabei beziehen sie sich oft auf die NS-Geschichte. Beispielsweise verbreiten Geschichtsrevisionisten die Position, dass keine systematische Vernichtung von J\u00fcdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten stattgefunden habe und dass der Holocaust ein Mythos sei \u2013 eine Behauptung, die in der Bundesrepublik Deutschland unter den Straftatbestand der Volksverhetzung (\u00a7 130StGB, Absatz 3) f\u00e4llt und mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu f\u00fcnf Jahren geahndet wird. Ebenso versuchen Geschichtsrevisionisten, die Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg zu relativieren und Hitler als \u201eFriedenspolitiker\u201c darzustellen. Dementsprechend betonen sie in unredlicher und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Weise das Leiden der deutschen Bev\u00f6lkerung unter den Bombardierungen, Hungersn\u00f6ten, Invasionen, der Umsiedelung ganzer Bev\u00f6lkerungsteile oder der Rache der alliierten Sieger nach dem Krieg. Auf diese Weise betreiben sie eine T\u00e4ter-Opfer-Umkehr. <\/strong><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>Geschichtsrevisionisten verfolgen die Absicht, durch wissenschaftlich unlautere Mittel das etablierte Geschichtsbild entsprechend ihrer (rechtsextremen) Weltanschauung umzudeuten und dabei als legitime Fachrichtung in den Historischen Wissenschaften Anerkennung und Akzeptanz zu finden. Aus der F\u00fclle an <\/strong>Quellen und Forschungsliteratur werden nur vereinzelte Dokumente ber\u00fccksichtigt, die in das zu konstruierende Geschichtsbild passen, w\u00e4hrend andere ausgeblendet werden. Eine pseudowissenschaftliche Sprache und die Verwendung von Fu\u00dfnoten und Verweisen t\u00e4uschen \u00fcber den Mangel an wissenschaftlicher Seriosit\u00e4t und belastbaren Argumenten hinweg, die Standards wissenschaftlicher Methodik und Quellenkritik werden nicht eingehalten. Revisionistische Darstellungen arbeiten mit emotionalisierenden Begriffen und Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen und inszenieren sich als \u201eGegenstimme\u201c zur etablierten Forschung, die als \u201epolitisch motiviert\u201c diskreditiert wird. <strong>Geschichtsrevisionismus ist also keine harmlose Form der Meinungs\u00e4u\u00dferung, sondern eine zielgerichtete Attacke auf <\/strong><strong>Wahrheit, Erinnerung und Verantwortung<\/strong> und damit eine erhebliche Bedrohung f\u00fcr Gesellschaft, Demokratie und internationale Beziehungen.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p>Geschichtsrevisionismus ist nicht allein in Deutschland und \u00d6sterreich in Bezug auf den Nationalsozialismus anzutreffen, sondern findet auch in anderen Zeitbereichen und L\u00e4ndern seinen Niederschlag. So wird eine geschichtsrevisionistische Ansicht auf die deutsche Kolonialgeschichte von der AfD verbreitet, die die Gr\u00e4uel der Kolonialherrschaft relativiert und verharmlost. Gleichzeitig wird eine Geschichtspolitik eingefordert, welche die \u201egewinnbringenden Errungenschaften dieser Zeit\u201c st\u00e4rker herausstellt.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Kolonialrevisionistische Narrative, welche die koloniale Unterwerfung als Zivilisierungsmission umdeuten, finden sich auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wie Frankreich, England und Spanien. Die pseudowissenschaftliche Relativierung von (faschistischen) Diktaturen und Milit\u00e4rregimes durch rechte und rechtsextreme Gruppen, Akteur:innen und Medien ist bei italienischen und spanischen Neofaschisten ebenso verbreitet wie in der extremen Rechten Lateinamerikas.<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Li<\/strong><strong>teratur<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph -->\r\n\r\n<!-- wp:list -->\r\n<ul class=\"wp-block-list\"><!-- wp:list-item -->\r\n<li><strong>Bildungsst\u00e4te Anne Frank e.V., Wie die Rechten Geschichte umdeuten. Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus. Frankfurt am Main 2020. URL: <a href=\"https:\/\/www.bs-anne-frank.de\/fileadmin\/content\/Publikationen\/Themenhefte\/Themenheft_Geschichtsrevisionismus_Web.pdf\">https:\/\/www.bs-anne-frank.de\/fileadmin\/content\/Publikationen\/Themenhefte\/Themenheft_Geschichtsrevisionismus_Web.pdf<\/a> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/strong><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><strong>Brigitte Bailer-Galanda, \u201eRevisionism\u201c in Germany and Austria: The Evolution of a Doctrine, in: Hermann Kurthen\/Rainer Erb\/Werner Bergmann (Hrsg.), Anti-Semitism and Xenophobia in Germany after Unification, New York\/Oxford 1997. URL: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/12497\/1_bailer_revisionism.pdf\">https:\/\/www.doew.at\/cms\/download\/12497\/1_bailer_revisionism.pdf<\/a><strong> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/strong><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><strong>Wolfgang Benz: Die Funktion von Holocaustleugnung und Geschichtsrevisionismus f\u00fcr die rechte Bewegung. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergr\u00fcnde \u2013 Analysen \u2013 Antworten. Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften, 2010, S. 404\u2013418.<\/strong><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item -->\r\n\r\n<!-- wp:list-item -->\r\n<li><strong>Uladzislau Belavusau: Historical Revisionism in Comparative Perspective: Law Politics, and Surrogate Mourning. <\/strong><strong>European University Institute, Department of Law, 2013.<\/strong><\/li>\r\n<!-- \/wp:list-item --><\/ul>\r\n\r\n<!-- wp:details --><details class=\"wp-block-details\">\r\n<summary><strong>Was bedeutet das \u201eWissenschaftsfreiheit\u201c?<\/strong><\/summary>\r\n<!-- wp:paragraph {\"placeholder\":\"Gib \/ ein, um einen verborgenen Block hinzuzuf\u00fcgen\"} -->\r\n<h3>Was bedeutet Wissenschaftsfreiheit?<\/h3>\r\n<ol>\r\n<li><strong> Was hei\u00dft Wissenschaftsfreiheit?<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Wissenschaftsfreiheit bedeutet, dass Wissenschaftler*innen ihre Themen frei w\u00e4hlen und Forschungsergebnisse ohne wissenschaftsfremde Einflussnahme ver\u00f6ffentlichen und diskutieren k\u00f6nnen. Sie ist ein Grundrecht nach Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes und gilt f\u00fcr alle, die mit wissenschaftlichen Methoden Erkenntnisse gewinnen. Ma\u00dfgeblich sind allein Qualit\u00e4tskriterien wie empirische \u00dcberpr\u00fcfbarkeit, nachvollziehbare Argumentation und innovative Ergebnisse.<\/p>\r\n<p>Wissenschaftliche Erkenntnisse sind \u00fcberpr\u00fcfbare Aussagen und keine blo\u00dfen Meinungen. In der Geschichtswissenschaft gilt zugleich, dass Forschung immer <em>perspektivisch<\/em> ist. Historische Sachverhalte lassen sich unterschiedlich analysieren, je nachdem, welche Fragestellungen oder Bewertungskriterien Autor*innen zugrunde legen. Kritik durch Kolleg*innen ist daher zentral: Sie erweitert Perspektiven, f\u00fchrt zu Revisionen und erm\u00f6glicht wissenschaftlichen Fortschritt. Wissenschaftsfreiheit bedeutet somit auch, Forschungsergebnisse der \u00f6ffentlichen Kritik auszusetzen.<\/p>\r\n<p>In der aktuellen Kontroverse um Wissenschaftsfreiheit geht es vor allem um das Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Politik sowie um Macht- und Privilegienstrukturen innerhalb der Wissenschaft. Dabei stehen sich, so der Philosoph Karsten Schubert, zwei Auffassungen gegen\u00fcber:<\/p>\r\n<p><strong>(1)<\/strong> Ein <em>kritisches Verst\u00e4ndnis von Wissenschaftsfreiheit<\/em> geht davon aus, dass Wissenschaft immer in politische und gesellschaftliche Machtverh\u00e4ltnisse eingebettet ist und daher nicht \u201eneutral\u201c sein kann. Wissenschaftsfreiheit soll deshalb Rahmenbedingungen schaffen, unter denen m\u00f6glichst viele unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt auch, Strukturen zu ver\u00e4ndern, die bestimmte Gruppen systematisch ausschlie\u00dfen oder benachteiligen. In den Geschichtswissenschaften zeigt sich dies in der Rezeption von Gender Studies, Critical Race Theory, Postcolonial Studies und Alltagsgeschichte, die den Blick auf zuvor marginalisierte Gegenst\u00e4nde, Herrschaftsverh\u00e4ltnisse und Gruppen erweitern. Diese \u00d6ffnung soll Wissenschaft insgesamt demokratischer, gerechter und erkenntnisst\u00e4rker machen.<\/p>\r\n<p><strong>(2)<\/strong> Als <em>\u201eliberale\u201c Auffassung von Wissenschaftsfreiheit<\/em> bezeichnet Schubert Positionen, die Wissenschaftsfreiheit durch die Abwesenheit von Politik gew\u00e4hrleistet sehen, wie sie z.B. vom Netzwerk Wissenschaftsfreiheit vertreten wird. Sie versteht Wissenschaft als grunds\u00e4tzlich \u201eneutral\u201c und sieht in Diversifizierungsprozessen, gendersensibler Sprache oder kritischen Fachdebatten politisch-moralische Eingriffe einer \u201elinken Elite\u201c. Die Nicht-Bewilligung von Forschungsantr\u00e4gen wird dabei h\u00e4ufig als politisch motivierte Benachteiligung gedeutet. Eine Analyse der Mitglieder des Netzwerks zeigt, dass diese Bedrohungswahrnehmung vor allem von (mehrheitlich m\u00e4nnlichen) Professor*innen vertreten wird, die im Wissenschaftssystem besonders privilegierte Positionen innehaben. Zugleich f\u00e4llt auf, dass sich einige \u2013 entgegen ihrer Forderung nach Trennung von Wissenschaft und Politik \u2013 politisch explizit im rechtskonservativen bis hin zum neurechten Spektrum positionieren und aktiv entsprechende Lobby- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit betreiben.<\/p>\r\n<ol start=\"2\">\r\n<li><strong> Wodurch wird die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften bedroht?<\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften wird vor allem durch politische, ideologische und gesellschaftliche Einflussnahmen bedroht. Da historische Deutungen eine zentrale Funktion f\u00fcr politische Orientierung und kollektive Identit\u00e4t haben, geraten Historiker*innen h\u00e4ufig unter Druck.<\/p>\r\n<p>Gef\u00e4hrdungen gehen weniger von der Fachcommunity selbst aus als vielmehr von politischen Akteur*innen, Parteien, Verb\u00e4nden, privaten Interessengruppen und Einzelpersonen. Staatliche Akteur*innen k\u00f6nnen die Wissenschaftsfreiheit beeintr\u00e4chtigen, wenn sie durch F\u00f6rderkriterien, gesetzliche Regelungen oder politische Vorgaben inhaltlich auf historische Forschung und Debatten einwirken oder bestimmte Positionen delegitimieren.<\/p>\r\n<p>Private Akteur:innen, aber auch Parteien und Verb\u00e4nde bedrohen die Freiheit von Forschung und Lehre unter anderem durch juristische Einsch\u00fcchterung, strategische Klagen oder politische Boykotte, die auf die Einschr\u00e4nkung offener wissenschaftlicher Diskussionen zielen. Auch akademische Boykotte werden als problematisch angesehen, wenn sie Forschende kollektiv f\u00fcr staatliches Handeln verantwortlich machen und damit evidenzbasierte Debatten untergraben.<\/p>\r\n<p>Eine besondere Rolle spielen soziale Medien, \u00fcber die von einzelnen Akteur*innen und\/oder Gruppen koordinierte Kampagnen zur Diskreditierung, Einsch\u00fcchterung und Delegitimierung von Wissenschaftler*innen gef\u00fchrt werden. Solche Angriffe verzerren \u00f6ffentliche Wahrnehmungen, erschweren sachliche Auseinandersetzungen und k\u00f6nnen erheblichen Druck auf wissenschaftliche Karrieren aus\u00fcben.<\/p>\r\n<p>Insgesamt zeigt sich, dass die Wissenschaftsfreiheit in den Geschichtswissenschaften zunehmend durch politische Instrumentalisierung, rechtliche Drohkulissen und mediale Dynamiken herausgefordert wird.<\/p>\r\n<ol start=\"3\">\r\n<li><strong> In welchen geschichtswissenschaftlichen Forschungsfeldern ist die Wissenschaftsfreiheit derzeit besonders bedroht? <\/strong><\/li>\r\n<\/ol>\r\n<p>Besonders bedroht sind derzeit Forschungsfelder, in denen historische und gegenw\u00e4rtige Machtverh\u00e4ltnisse, Ungleichheiten und Gewaltverh\u00e4ltnisse kritisch reflektiert werden. Darunter fallen insbesondere die Antisemitismusforschung, die Postcolonial Studies sowie die Gender Studies. Diese Bereiche sind h\u00e4ufig politischen Angriffen ausgesetzt, da sie etablierte nationale, kulturelle oder geschlechterbezogene Selbstbilder infrage stellen.<\/p>\r\n<p>Postkoloniale Forschung, die koloniale Machtverh\u00e4ltnisse und deren fortwirkende Folgen f\u00fcr Gesellschaften, Wissensordnungen und Identit\u00e4ten untersucht, wird dabei pauschal diffamiert. Ihre vergleichenden Methoden werden oft verzerrt dargestellt und in einen Zusammenhang mit Antisemitismus gebracht. Gender Studies werden als \u201eideologisch\u201c, \u201ewoke\u201c oder randst\u00e4ndig diskreditiert, indem ihre wissenschaftlichen Ans\u00e4tze auf symbolische oder sprachpolitische Fragen verk\u00fcrzt werden.<\/p>\r\n<p>Auch die Antisemitismusforschung ist besonderen Angriffen ausgesetzt, wenn ihre Analysen nicht mit politischen Deutungen \u00fcbereinstimmen oder zwischen Antisemitismus und legitimer Kritik an staatlicher Politik unterscheiden. Dadurch werden wissenschaftliche Positionen delegitimiert und offene Debatten verengt.<\/p>\r\n<p>Politische Akteur*innen nutzen parlamentarische, mediale und diskursive Strategien, um diese Forschungsfelder zu entwerten und ihren wissenschaftlichen Status infrage zu stellen. Dadurch werden die Grenzen wissenschaftlich und gesellschaftlich anerkannter Forschung und Lehre schrittweise verschoben und eine Einschr\u00e4nkung der Wissenschaftsfreiheit normalisiert. Langfristig gef\u00e4hrden diese Entwicklungen nicht nur die Geschichtswissenschaft, sondern auch pluralistische Debattenkulturen und eine kritisch-reflexive historisch-politische Bildung.<\/p>\r\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/strong><\/p>\r\n<p>Dartmann, Christoph, Antje Fl\u00fcchter, Silke Schwandt, \u201aWissenschaftsfreiheit\u2019 und Pluralisierung.\u201c Public History Weekly, 3 (2021). https:\/\/doi.org\/10.1515\/phw-2021-17995.<\/p>\r\n<p>Schubert, Karsten: Zwei Begriffe der Wissenschaftsfreiheit. Zum Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Politik. <em>Zeitschrift f\u00fcr Praktische Philosophie<\/em>, 10, 1 (2023), S. 39\u201378, hier S. 2, 41. www.praktische-philosophie.org<\/p>\r\n<!-- \/wp:list -->\r\n\r\n<!-- wp:separator --><hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/><!-- \/wp:separator -->\r\n\r\n<!-- wp:paragraph -->\r\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Deutscher Bundestag, Parlamentsnachrichten, AfD fordert anderen Blick auf Kolonialzeit. 18.12.2019. URL: <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_12\/674170-674170\">https:\/\/www.bundestag.de\/webarchiv\/presse\/hib\/2019_12\/674170-674170<\/a> (zuletzt abgerufen am 15.12.2025).<\/p>\r\n<!-- \/wp:paragraph --><\/details><!-- \/wp:details --><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was bedeutet \u201eGeschichtsrevisionismus\u201c? Grunds\u00e4tzlich meint \u201eRevisionismus\u201c den Versuch, etablierte Erkenntnisse, Interpretationen oder Theorien aufgrund neuer Methoden, Perspektiven oder Quellen zu \u00fcberarbeiten. Hierzu muss zwischen Revisionismus im Allgemeinen und Geschichtsrevisionismus im Besonderen unterschieden werden. Da Historiker:innen keine reinen Chronist:innen sind, die Geschichte \u201aeinfach\u2018 nur erz\u00e4hlen, sondern sich durch neue Deutungen der Vergangenheit um ein besseres Verst\u00e4ndnis [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-659","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/659","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=659"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/659\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1043,"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/659\/revisions\/1043"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hist4dem.de\/es\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=659"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}