{"id":835,"date":"2025-10-08T10:28:55","date_gmt":"2025-10-08T08:28:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hist4dem.de\/?page_id=835"},"modified":"2025-10-08T10:42:15","modified_gmt":"2025-10-08T08:42:15","slug":"aktionswoche-zeitalter-der-demokratischen-revolutionen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/hist4dem.de\/en\/aktionen\/aktionswoche-zeitalter-der-demokratischen-revolutionen\/","title":{"rendered":"Aktionswoche \u201eZeitalter der demokratischen Revolutionen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>4.\u201314. Juli 2025<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-style-default is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:78.1%\">\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Declaration of Independence, 4. Juli 1776<\/h3>\n<\/div>\n\n\n\n<p>J\u00fcrgen Martschukat, Universit\u00e4t Erfurt<\/p>\n\n\n\n<p>4. Juli 2025<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-scaled.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"863\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-863x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-676\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-863x1024.jpg 863w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-253x300.jpg 253w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-768x911.jpg 768w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-1294x1536.jpg 1294w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/United_States_Declaration_of_Independence-1726x2048.jpg 1726w\" sizes=\"auto, (max-width: 863px) 100vw, 863px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Als die dreizehn britischen Kolonien in Nordamerika am 4. Juli 1776 ihre Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4rten, &#8230;<\/summary>\n<p>schwelte der Konflikt mit der britischen Krone bereits seit \u00fcber einem Jahrzehnt. Nach dem Ende des 7-J\u00e4hrigen-Krieges im Jahr 1763, der in Nordamerika der <em>French and Indian War<\/em> hie\u00df, wollte England die Kolonien st\u00e4rker an die Kandare nehmen. Seit rund einem halben Jahrhundert hatten die Kolonien zunehmend unabh\u00e4ngig gehandelt und gewirtschaftet. Doch jetzt, wo die englische Staatskasse durch den 7-j\u00e4hrigen-Krieg arg belastet war, sollten die Kolonien endlich Profit abwerfen, anstatt ein Konkurrent auf den Weltm\u00e4rkten zu sein. Es folgte eine Serie von britischen Zoll- und Steuergesetzen, von denen sich die Kolonisten in ihrer Freiheit und in ihren Rechten als \u201eEnglishmen\u201c beschr\u00e4nkt f\u00fchlten. Besteuert werden durften schlie\u00dflich nur diejenigen, die auch im Parlament in London repr\u00e4sentiert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Krone versuchte die Handelsgesch\u00e4fte der Kolonien zu kontrollieren und schickte mehr und mehr Truppen. Die Kolonisten protestierten, und sie organisierten sich in zunehmendem Ma\u00dfe auch politisch. Die wachsenden Spannungen eskalierten ab dem 19. April 1775 und den Gefechten von Lexington und Concord in der N\u00e4he Bostons in einen milit\u00e4rischen Konflikt. Am 11. Juni 1776 setzte der \u201eContinental Congress\u201c, das gemeinsame politische Organ der dreizehn Kolonien, dann eine f\u00fcnfk\u00f6pfige Kommission mit dem damals 33j\u00e4hrigen Thomas Jefferson an ihrer Spitze ein. Deren Aufgabe lautete, schriftlich zu begr\u00fcnden, mit welchem Recht sich die dreizehn Kolonien von der britischen Krone lossagten und ihre Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4rten. Am 4. Juli 1776 verabschiedete der \u201eContinental Congress\u201c die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eDeclaration of Independence\u201c hat menschliche Gleichheit sowie ein gottgegebenes menschliches Recht auf Freiheit, Leben und das Streben nach Gl\u00fcck in das Politische eingef\u00fchrt. In dem Text hei\u00dft es weiter, es sei die Aufgabe einer Regierung, diese Rechte der Menschen zu sch\u00fctzen, von denen sie ihre Macht erhalten habe. Eine Regierung, die dem nicht nachkomme, d\u00fcrfe von den Menschen ausgetauscht werden. Darauf folgt in dem Dokument eine lange Liste von 27 Verfehlungen des britischen K\u00f6nigs Georg III., die in der Logik des Dokumentes den Sturz seiner Regierung legitimieren: unter anderem die Missachtung des Rechtes und der Justiz, die Schaffung neuer Beh\u00f6rden zur Schikanierung der B\u00fcrger, die Anstiftung von Unruhen und das Ausbremsen des internationalen Handels. Ein Regent, der so handele, sei ein Tyrann, \u201eunfit to be the ruler of the people.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Fr\u00fchjahr 2025 hat Pr\u00e4sident Donald Trump eine Kopie der \u201eDeclaration of Independence\u201c im Oval Office des Wei\u00dfen Hauses aufh\u00e4ngen lassen. Auf die Frage des Journalisten Terry Moran von ABC News, was das Dokument f\u00fcr ihn bedeute, antwortete Pr\u00e4sident Trump: \u201eWell it means exactly what it says, it&#8217;s a declaration, it&#8217;s a declaration of unity and love and respect and it means a lot and its something very special to our country.\u201c Die Antwort legt den Schluss nahe, dass Pr\u00e4sident Trump die \u201eDeclaration of Independence\u201c nicht wirklich gelesen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>VOLLTEXT der Declaration: <a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/declaration-transcript\">https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/declaration-transcript<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-style-default is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:78.1%\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">US Constitution, 1787<\/h3>\n\n\n\n<p>Olaf Stieglitz, Universit\u00e4t Leipzig<\/p>\n\n\n\n<p>6. Juli 2025<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"846\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1-846x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-688\" style=\"width:200px\" srcset=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1-846x1024.jpg 846w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1-248x300.jpg 248w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1-768x930.jpg 768w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/960px-Constitution_of_the_United_States_page_1-1.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 846px) 100vw, 846px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Im Sommer 1787 trafen sich in Philadelphia Delegierte aus zw\u00f6lf der 13 neuen Vereinigten Staaten, &#8230;<\/summary>\n<p>um die Verfassung des Staatenbunds zu reformieren. Nachdem die Unabh\u00e4ngigkeit von England errungen worden war, hatten sich diese so genannten \u2018Articles of Confederation\u2019 als in mancherlei Hinsicht unzul\u00e4nglich erwiesen. Die versammelten M\u00e4nner, die meisten von ihnen Mitglieder einer wohlhabenden, wei\u00dfen Elite, verst\u00e4ndigten sich darauf, dass eine blo\u00dfe Reform nicht zielf\u00fchrend sei, und so entwarfen sie eine neue gesetzliche Grundlage der Vereinigten Staaten von Amerika &#8211; die Verfassung von 1787, die, abge\u00e4ndert durch eine Reihe von Zusatzartikel, bis heute G\u00fcltigkeit hat.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Dokument zeigen sich zum einen zentrale Bruchlinien der neuen Vereinigten Staaten und zum anderen der Wunsch, den Proze\u00df der Amerikanischen Revolution &#8211; von den Protesten gegen das Mutterland aufgrund neuer Steuern und Fragen politischer Repr\u00e4sentation, \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung von 1776, den erfolgreichen Krieg gegen England bis schlie\u00dflich zur als krisenhaft empfundenen Konsolidierungsphase &#8211; zu einem stabilisierenden Abschluss zu bringen. Meinungsverschiedenheiten gab es zwischen bev\u00f6lkerungsreichen und kleinen Staaten, in denen nicht viele Menschen lebten, sowie nicht zuletzt zwischen Staaten, die unbedingt an der Institution der Sklaverei festhalten wollten, und solchen, in denen diese Institution an Bedeutung verlor. Die s\u00fcdlichen Staaten der damaligen USA &#8211; Maryland, Virginia, North &amp; South Carolina, Georgia &#8211; erachteten die fortgesetzte Versklavung afrikanischer Menschen nicht allein als eine \u00f6konomische Notwendigkeit, sie war dar\u00fcber hinaus aus Sicht der wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung dort auch kulturell identit\u00e4tsstiftend. Dagegen hatten die Parlamente der Staaten des Nordens Bestimmungen auf den Weg gebracht, die Sklaverei dort mittelfristig abzuschaffen &#8211; wobei allerdings zu bedenken ist, dass zumindest die Eliten des Nordens auch weiterhin von Ausbeutung durch unfreie Arbeit im S\u00fcden profitierten: man hatte dort investiert, die dort erzeugten Rohstoffe wurden in den Fabriken des Nordens verarbeitet oder in H\u00e4fen wie New York oder Philadelphia \u00fcber den Atlantik verschifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund war der Verfassungsentwurf von 1787 von zahlreichen Kompromissen gepr\u00e4gt, und der weitreichendste von ihnen war die sogenannte Drei-F\u00fcnftel-Klausel. In Artikel 1 \u00fcber die Legislative, Abschnitt 2, Paragraph 3 hie\u00df es:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cRepresentatives and direct Taxes shall be apportioned among the several States which may be included within this Union, according to their respective Numbers, which shall be determined by adding to the whole Number of free Persons, including those bound to Service for a Term of Years, and excluding Indians not taxed, three fifths of all other Persons\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anzahl der Abgeordneten, die ein jeder Bundesstaat in das Repr\u00e4sentantenhaus entsenden konnte, sollte sich also nach der Gr\u00f6\u00dfe der jeweiligen Bev\u00f6lkerung bemessen. Dabei waren einige Staaten aus dem S\u00fcden im Nachteil, denn dort lebten nur vergleichsweise wenige wei\u00dfe, wahlberechtigte Menschen. Um dies auszugleichen, sollten also drei F\u00fcnftel der versklavten Bev\u00f6lkerung mitgerechnet werden, obgleich diese weder wahlberechtigt waren noch weitere B\u00fcrgerrechte besa\u00dfen. Auf diese Weise sollte eine aus Sicht der betroffenen Staaten angemessene Repr\u00e4sentation im Kongress sichergestellt werden. Dass diese Regelung obendrein an Fragen der Besteuerung gekoppelt wurde, machte diesen Kompromiss zwar f\u00fcr diese Staaten teuer, zugleich ging damit aber eben auch die gesetzliche Anerkennung einher, dass es sich bei versklavten Menschen um Eigentum handelte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201cAll men are created equal\u201d hie\u00df es in der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung (1776), und auch wenn das schon nicht wirklich inklusiv gemeint war, so war es doch ein Versprechen auf Gleichheit, auf das sich entrechtete, marginalisierte, ausgebeutete Gruppen immer wieder berufen konnten. So etwa die Frauen und M\u00e4nner um Elizabeth Cady Stanton und Lucretia Coffin Mott in ihrer \u2018Declaration of Sentiments\u2019 (1848), so Frederick Douglass 1852 in seiner ber\u00fchmten Rede &#8220;What to the Slave Is the Fourth of July?&#8221;, so viele andere sp\u00e4ter sowohl in den USA als auch dar\u00fcber hinaus. Elf Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung hatte der Prozess der Amerikanischen Revolution jedoch eine andere, eine \u2018realpolitische\u2019 Richtung genommen. Eine Sprache der Freiheit und Gleichheit war einer vom Kompromiss geleiteten Politik der Stabilisierung und Verfestigung nicht zuletzt \u00f6konomischer Interessen gewichen; die Idee der Gleichheit war von der Anerkennung der Sklaverei als gewaltsamste Form der Ungleichheit und Unfreiheit abgel\u00f6st worden. Und auch wenn der 14. Verfassungszusatz 1868 die Drei-F\u00fcnftel-Klausel nach der Abschaffung der Sklaverei im B\u00fcrgerkrieg f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rte, erinnert sie uns doch bis heute an die strukturellen Grundlagen von Rassismus in den USA bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p>Link zur Quelle<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/constitution\">https:\/\/www.archives.gov\/founding-docs\/constitution<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Olympe de Gouges, 1791<\/h3>\n\n\n\n<p>B\u00e4rbel Kuhn und Matthias Weipert, Siegen<\/p>\n\n\n\n<p>8. Juli 2025<\/p>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>\u201eNiemand darf wegen seiner Ansichten, selbst wenn sie grunds\u00e4tzlicher Art sind, &#8230;<\/summary>\n<p>behelligt werden. Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen; sie muss gleicherma\u00dfen das Recht haben, die Rednertrib\u00fcne zu besteigen, sofern ihre \u00c4u\u00dferungen nicht die durch das Gesetz festgelegte \u00f6ffentliche Ordnung st\u00f6ren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In Artikel 10 ihrer Erkl\u00e4rung <strong>\u201eDroits de la Femme et de la Citoyenne\u201c <\/strong>von 1791 forderte<strong> Olympe de Gouges<\/strong> die gleichen Rechte f\u00fcr Frauen, wie sie f\u00fcr M\u00e4nner gefordert wurden. &nbsp;Sie kn\u00fcpfte ihre Forderung nach politischer Gleichberechtigung der Geschlechter, nach freier Meinungs\u00e4u\u00dferung an das \u201eRecht\u201c, nach dem Frauen wie M\u00e4nner hingerichtet werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erkl\u00e4rung der Rechte der Frau und der B\u00fcrgerin war Bestandteil des im September 1791 erschienen B\u00fcchleins von Olympe de Gouges \u201eDie Rechte der Frau\u201c und provokant als&nbsp; Komplettierung zur Erkl\u00e4rung der Menschen und B\u00fcrgerrechte (\u201eD\u00e9claration des droits de l\u2019homme et du citoyen\u201c) von 1789 gemeint, die sie formal imitiert. De Gouges verfremdet den Ursprungstext, indem sie das generische Maskulinum (homme-Mensch) als tats\u00e4chliches (homme-Mann) markiert, indem sie es erg\u00e4nzt, ersetzt oder am Anfang den Mann ausdr\u00fccklich anspricht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>De Gouges machte auf den eklatanten Gegensatz zwischen dem universellen Anspruch der Menschenrechte und der Realit\u00e4t aufmerksam, in der diese Rechte nur f\u00fcr bestimmte Gruppen galten und Nicht-B\u00fcrger sowie Frauen wie selbstverst\u00e4ndlich ausgeschlossen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>De Gouges geht in ihrem Entwurf von einem spannungsreichen Verh\u00e4ltnis von Gleichheit und Differenz aus. Zun\u00e4chst formuliert sie in der Pr\u00e4ambel im Gegensatz zu den als die Rechte wei\u00dfer M\u00e4nner zu verstehenden Grundrechtskatalog einen universellen Anspruch, der Frauen und <em>homme negres<\/em> ausdr\u00fccklich einschlie\u00dft. Sie war von der grunds\u00e4tzlichen, nat\u00fcrlichen Gleichheit der Menschen \u00fcberzeugt und der daraus resultierenden Rechte, die nur erkannt, anerkannt und deklariert werden m\u00fcssen. Gleichen Pflichten sollte gleiche Rechte entsprechen. Sie leitet aus ihrem universalen Begriff von Menschsein die geforderten b\u00fcrgerlichen Rechte auf Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Sicherheit und Widerstand, Arbeit und Teilnahme an allen Gewalten der politischen Macht f\u00fcr alle ab. Universal: auch f\u00fcr Farbige und Sklaven, wie sie bereits in fr\u00fcheren Schriften ausf\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<p>De Gouges nimmt jedoch auch Differenzen der Geschlechter in den Blick und leitet daraus besondere Anspr\u00fcche ab. So formuliert sie etwa spezielle Rechte f\u00fcr Frauen: konkret sollte die freie Meinungs\u00e4u\u00dferung in Zukunft auch bedeuten, dass ledige M\u00fctter die Vaterschaft offen legen durften. Durch ungekl\u00e4rte Vaterschaften blieben Frauen materiell von den M\u00e4nnern abh\u00e4ngig oder wurden ins Elend gest\u00fcrzt. Eine abstrakte Formulierung des Rechts auf Meinungsfreiheit verschleierte diese Abh\u00e4ngigkeiten der Frauen von den M\u00e4nnern und verhinderte damit eine volle Gleichberechtigung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem Gleichheit und Differenz sollte Feministinnen bis heute besch\u00e4ftigen. &nbsp;Andrea Maihofer hat die Frage gestellt, wie es gelingen k\u00f6nne, in der Verschiedenheit, als gleichberechtigt anerkannt zu werden und die Idee einer positiven, nicht hierarchisierenden Anerkennung der Geschlechterdifferenz entwickelt. Kurz zusammengefasst bedeutet das f\u00fcr sie: \u00bbDifferenz in Gleichheit und Gleichheit in Differenz\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Im Hinblick auf Fragen von Eigentum\/Verm\u00f6gen bezieht de Gouges als bislang \u201eprivat\u201c definierte Aspekte ein. Sie macht damit deutlich, dass Privates f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sph\u00e4re von gro\u00dfem Belang ist, wenn Menschen wirklich gleichberechtigt agieren k\u00f6nnen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Forderung, Frauen, die das Recht auf das Schafott haben, sollten auch das Recht auf die Rednertrib\u00fcne haben, sollte sich teilweise erf\u00fcllen: Olympe de Gouges bekam nur das Recht aufs Schafott. Sie wurde am 3. November 1793 auf der Guillotine hingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem de Gouges und ihre \u201eErkl\u00e4rung der Rechte der Frau und B\u00fcrgerin\u201c lange vergessen waren, gilt der Text heute als Schl\u00fcsseldokument der Geschichte der Frauen, der Frauenbewegung, des feministischen Denkens, ja, des modernen politischen Denkens \u00fcberhaupt. (Gisela Bock).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Quellen und Literaturhinweise:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.fembio.org\/biographie.php\/frau\/biographie\/olympe-de-gouges\">https:\/\/www.fembio.org\/biographie.php\/frau\/biographie\/olympe-de-gouges<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Andrea Maihofer: Geschlecht als Existenzweise. Macht, Moral, Recht und Geschlechter\u00addifferenz, Frankfurt am Main 1995.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<\/details>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Plan de Iguala, 1821<\/h3>\n\n\n\n<p>Silke Hensel, Universit\u00e4t zu K\u00f6ln<\/p>\n\n\n\n<p>11. Juli 2025<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure data-wp-context=\"{&quot;imageId&quot;:&quot;69f3e7691a8d3&quot;}\" data-wp-interactive=\"core\/image\" data-wp-key=\"69f3e7691a8d3\" class=\"wp-block-image size-full wp-lightbox-container\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"418\" height=\"600\" data-wp-class--hide=\"state.isContentHidden\" data-wp-class--show=\"state.isContentVisible\" data-wp-init=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on--click=\"actions.showLightbox\" data-wp-on--load=\"callbacks.setButtonStyles\" data-wp-on-window--resize=\"callbacks.setButtonStyles\" src=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Plan_de_Iguala_foja_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-695\" srcset=\"https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Plan_de_Iguala_foja_1.jpg 418w, https:\/\/hist4dem.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Plan_de_Iguala_foja_1-209x300.jpg 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><button\n\t\t\tclass=\"lightbox-trigger\"\n\t\t\ttype=\"button\"\n\t\t\taria-haspopup=\"dialog\"\n\t\t\taria-label=\"Enlarge\"\n\t\t\tdata-wp-init=\"callbacks.initTriggerButton\"\n\t\t\tdata-wp-on--click=\"actions.showLightbox\"\n\t\t\tdata-wp-style--right=\"state.imageButtonRight\"\n\t\t\tdata-wp-style--top=\"state.imageButtonTop\"\n\t\t>\n\t\t\t<svg xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"12\" height=\"12\" fill=\"none\" viewBox=\"0 0 12 12\">\n\t\t\t\t<path fill=\"#fff\" d=\"M2 0a2 2 0 0 0-2 2v2h1.5V2a.5.5 0 0 1 .5-.5h2V0H2Zm2 10.5H2a.5.5 0 0 1-.5-.5V8H0v2a2 2 0 0 0 2 2h2v-1.5ZM8 12v-1.5h2a.5.5 0 0 0 .5-.5V8H12v2a2 2 0 0 1-2 2H8Zm2-12a2 2 0 0 1 2 2v2h-1.5V2a.5.5 0 0 0-.5-.5H8V0h2Z\" \/>\n\t\t\t<\/svg>\n\t\t<\/button><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Am 24.02.1821 wurde der Plan de Iguala in Mexiko ver\u00f6ffentlicht. Dieser Plan \u2026<\/summary>\n<p>erkl\u00e4rte die Unabh\u00e4ngigkeit des Vizek\u00f6nigreichs Neu-Spanien von der spanischen Herrschaft. Er erreichte ein Ende des elf Jahre w\u00e4hrenden B\u00fcrgerkriegs und bildete die Grundlage f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Mexikos. In der Forschung wurde das politische Projekt des <em>Plan de Iguala<\/em> lange als konservativ beurteilt, weil es eine Reaktion auf die Wiedereinsetzung der liberalen Verfassung von C\u00e1diz 1820 in Spanien und seinen verbliebenen Kolonien war. Der Unterzeichner des Plans, Agust\u00edn de Iturbide, der 1822 zum Kaiser von Mexiko bestimmt wurde, ist der wichtigste Grund daf\u00fcr. Tats\u00e4chlich war Iturbide ein k\u00f6nigstreuer Offizier und hatte von 1810-1816 auf der Seite der k\u00f6niglichen Truppen gegen die Aufst\u00e4ndischen gek\u00e4mpft. Auch sein Handeln als Kaiser zeugte nicht gerade von einer progressiven Haltung, weshalb er schon nach einem Jahr wieder abdanken musste. Seine Person und Bedeutung f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Mexikos sollte jedoch nicht \u00fcberbewertet werden, wenn es um ein Urteil \u00fcber den Prozess insgesamt geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mexikanische Unabh\u00e4ngigkeit wird heute von der Forschung als Teil der Atlantischen Revolutionen gesehen. In Mexiko so wie in den anderen Kolonien des spanischen Reiches hatten bereits w\u00e4hrend der Kolonialzeit sporadisch Rebellionen stattgefunden, in denen die spanische Herrschaft oder ihre konkrete Umsetzung kritisiert wurden. Diese Tendenzen erhielten mit der Krise der spanischen Monarchie seit 1808, als franz\u00f6sische Truppen die iberische Halbinsel besetzten und den K\u00f6nig zur Abdankung zwangen, allerdings an Auftrieb. Jetzt intensivierten sich Debatten um die Frage, bei wem die Souver\u00e4nit\u00e4t liege. Der Anspruch, dass die Nation Tr\u00e4gerin der Souver\u00e4nit\u00e4t sei, nicht der Monarch, setzte sich durch. Dies spiegelte sich in der 1812 proklamierten liberalen Verfassung von C\u00e1diz wider. An dem Text der Verfassung hatten amerikanische Abgeordnete in den Cortes von C\u00e1diz ma\u00dfgeblich mitgearbeitet. Spanien wurde konstitutionelle Monarchie, die Gewaltenteilung wurde eingef\u00fchrt und Tr\u00e4ger der Souver\u00e4nit\u00e4t war die Nation auf beiden Seiten des Atlantiks. D.h., dass auch die amerikanische Bev\u00f6lkerung zu Staatsb\u00fcrgern erkl\u00e4rt wurde. Allerdings mit zwei wichtigen Ausnahmen: Frauen und afrikanischst\u00e4mmige Menschen erhielten keine staatsb\u00fcrgerlichen Rechte. Damit hatten sie z.B. kein Recht an den Parlamentswahlen teilzunehmen. Indigene, die in Neu-Spanien 60% der Bev\u00f6lkerung ausmachten, erhielten diese Rechte aber schon.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Plan de Iguala<\/em> ging 1820 \u00fcber die Verfassung von C\u00e1diz hinaus, indem er in Art. 12 bestimmte, dass die afrikanischst\u00e4mmige Bev\u00f6lkerung rechtlich gleichgestellt werden sollte. Dieser Punkt ging auf die Beteiligung von Vicente Guerrero, einem der verbliebenen Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfer, an der Ausformulierung des Plans zur\u00fcck. Die Aufst\u00e4ndischen, die sich 1810 gegen die spanische Herrschaft erhoben, hatten bereits fr\u00fcher die Gleichberechtigung der verschiedenen Bev\u00f6lkerungsteile gefordert und auch die Abschaffung der Sklaverei erkl\u00e4rt. Auch die amerikanischen Abgeordneten in den Cortes von C\u00e1diz hatten sich vehement daf\u00fcr ausgesprochen, dass die afrikanische Bev\u00f6lkerung die Staatsb\u00fcrgerschaft erhalten sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Plan de Iguala ging also in einigen Punkten \u00fcber die Verfassung von C\u00e1diz hinaus. Er war aber auch ansonsten kein konservativer R\u00fcckschritt, weil die in der Verfassung festgelegte neue Regierungsform einer konstitutionellen Monarchie mit gew\u00e4hltem Parlament und Gewaltenteilung bleiben sollte. Das Erste Kaiserreich bestand allerdings nur f\u00fcr ein Jahr, dann konstituierte Mexiko sich als Republik, lange bevor dies in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern der Fall war.<\/p>\n<\/details>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>4.\u201314. Juli 2025 Declaration of Independence, 4. Juli 1776 J\u00fcrgen Martschukat, Universit\u00e4t Erfurt 4. Juli 2025 Als die dreizehn britischen Kolonien in Nordamerika am 4. 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